Erste Schritte beim Traden Erste Schritte beim Traden
Geschrieben von Chris Zerrahn am 20. September 2013

Trading für Berufstätige

Trading für BerufstätigeDie meisten Menschen, die sich mit dem Thema Trading auseinandersetzen, haben zumindest bis zum nachhaltigen Erfolg an der Börse einen normalen Beruf und sind somit weitgehend vom Tagesgeschehen an den Märkten abgekoppelt. Dennoch muss sich der Anfänger, der ja nebenbei noch seinen Unterhalt verdienen muss, mit diesem Thema auseinandersetzen - abgesehen von den Händlern, die die Börse nur als nettes Hobby ansehen oder einfach eingefleischte Swing-Trader sind. Setzt man jedoch ein ausreichendes Basiswissen und den korrekten Umgang mit den psychischen Anforderungen, die lange Trades mit sich bringen, voraus, kann der "Feierabend-Trader" durchaus ein nettes Zweiteinkommen bzw. die Basis für eine komplette Tradingkarriere setzen.

Problematik

Die größte Problematik bei hauptberuflich anderweitig tätigen Personen ist die richtige Wahl des Zeitrahmens, in dem gehandelt werden soll. In der Natürlichkeit der Dinge fallen sehr kurze Zeitrahmen, wie z.B. ein 5-Minuten-Chart oder noch kürzere Zeiteinheiten, weg, da diese während der Arbeitszeit schlecht überwacht werden können oder sogar zu einer massiven Ablenkung führen. Aber auch extrem lange Zeiteinheiten, wie Tages- bzw. Wochencharts, können sich durch die größeren finanziellen Anforderungen als schwierig erweisen. Somit sollten als erste Schritte in eine nebenberufliche Trading-Aktivität die finanziellen Mittel abgewogen und damit einhergehend, der passende Timeframe gewählt werden. Grob können zwei Dinge gesagt werden:

  1. Die einzige Möglichkeit für nebenberufliche Trader sind Trades auf Swing- bzw. Positionsbasis.
  2. Je höher die finanzielle Ausstattung des Tradingkontos ist, desto höher kann der ausgewählte Timeframe sein.

Aber warum ist das so? Stellen Sie sich ein identisches Setup (z.B. ein Breakout über ein Verlaufshoch und einem Stop-Loss unter dem letzten markanten Verlaufstief) in drei verschiedenen Timeframes vor. Der erste Timeframe soll ein Stundenchart, der zweite ein Tageschart und der dritte ein Monatschart sein. Gehandelt wird mit einer Standardlotgröße von 1, was im EUR/USD also 10$ pro Pip entspricht. In den Abbildungen 1 bis 3 können Sie für ein solch recht konservatives Setup die jeweiligen einzugehenden Risiken erkennen. Daraus ergibt sich: Je größer der Timeframe, desto größer sind auch die zahlenmäßigen eventuellen Verluste, aber auch die Gewinne. Wer sich also in einem Monatschart aufhalten und maximal 1 Prozent Risiko pro Trade eingehen will, muss ein Tradingkonto von ca. 660000 Dollar bereithalten. Natürlich bieten Broker auch deutlich kleinere Lotgrößen an, aber für das Beispiel sollte sich in diesem Artikel an Standardgrößen gehalten werden.

Trading für Berufstätige: Abbildung 1

Trading für Berufstätige: Abbildung 2

Trading für Berufstätige: Abbildung 3

Vorteile

Ist der Timeframe mit dem Konto abgestimmt worden, können sich attraktive Vorteile für den Trader ergeben. Da er nur Trades auf Swingbasis bzw. Positionstrading betreibt, bleibt ihm sehr viel Zeit, um die richtigen und profitabelsten Trades auszuwählen, das Moneymanagement zu berechnen und sich psychisch auf diese Trades einzurichten. Somit besteht im Allgemeinen weniger Gefahr, sich auf emotionale Fehlentscheidungen einzulassen.

Des Weiteren ist der große Vorteil, dass sich fundamentale Daten (wie z.B. Nonfarm-Payrolls), die Intraday deutliche Spannungen auslösen und zu hoher Volatilität führen können, im Tages- und Wochengeschehen eine geringere Wirkung auf die Stop-Loss-Setzung haben. Dies rührt daher, dass diese einfach weiter entfernt sind, als beispielsweise in einem Minutenchart. Somit muss der Trader vor solchen großen Entscheidungen auch nicht aus dem Markt gehen, insofern er nicht auf Newstrades spezialisiert ist.

Weiterhin wirken sich die Handelskosten in höheren Zeitebenen geringer auf die Performance aus. Bei einem Scalper, der nur auf wenige Punkte Gewinn aus ist, können die Handelskosten (Spread, Kommission etc.) einen großen Teil des Gewinns verschlingen. Anders bei Swingtradern, die meist deutlich mehr Punkte Gewinn einstreichen wollen. Hier beträgt der Anteil der Handelskosten, die vom Gewinn abgezogen werden müssen, nur wenige Prozent.

Als letzter großer Vorteil erweist sich die Verwendung von Standardvariablen bei Indikatoren. Die meisten der bekannten Indikatoren wurden für längere Zeitebenen entwickelt und erweisen sich in diesen auch als besonders wertvoll. Daher muss der Swingtrader, im Gegensatz zum Scalper, nicht lange nach den richtigen und wirkungsvollsten Einstellungen forschen und kann sich so viel Arbeit ersparen.

Nachteile

Neben den oben erwähnten Problematiken erweist sich in großen Timeframes die Verfügbarkeit des Depots eventuell als schwierig. Will der Trader schnell an Liquidität kommen, steckt aber in einer Reihe von Langzeittrades, muss er die Positionen eventuell schließen, um sein Depot zu leeren. Die Konsequenz wäre ein vorzeitiger Verlust oder aber ein nicht ausgereizter Trade. Daher sollte ein Tradingkonto immer aus Guthaben bestehen, das nicht zum Überleben wichtig ist. In der Regel tritt dieses Problem jedoch selten auf.

Weit öfter besteht das Dilemma der Psyche. Es gibt Personen, die lange Trades psychisch nicht verkraften, sich aber als Scalper prächtig schlagen. Somit sollte vor der Tätigkeit auch der eigene Tradingtyp, z.B. mithilfe eines Demokontos, festgestellt werden. Wird klar, dass die eigene Psyche nicht stabil genug ist, muss die Entscheidung getroffen werden, die Swingtradingkarriere einzustellen.

Risikomanagement

Im Gegensatz zum Ultrakurzfrist-Trader, der seine Stops nur mental setzt, muss der langfristig ambitionierte Trader in jedem Fall eine Absicherung seiner Trades nutzen. Gerade weil einem Arbeitnehmer bzw. anderen Berufstätigen nicht jederzeit aktuelle Daten vorliegen, ist das Risikomanagement ein zentraler Bestandteil. Neben dem bekannten Stop-Loss, sollten auch die Gewinne rechtzeitig abgesichert werden. Dies kann beispielsweise mit Break-even-Orders (Stop bei Einstieg minus Handelskosten), Trailing-Stops (automatisch nachziehende Stops in vorher festgelegten Abständen) oder zur Not auch mit Hedgings erreicht werden.

Viele Trader vernachlässigen das Risikomanagement, erleben jedoch früher oder später ein böses Erwachen. Als mahnendes Beispiel kann sich jeder Interessierte den Flash-Crash oder auch das gesamte Jahr 2008 in seinen Charts ansehen. Ein richtiger Umgang mit dem Risiko zählt also zu den absoluten Basics.

Fazit

Kann der berufstätige Trader diese Vor- und Nachteile in Einklang bringen, steht einer langfristigen und ertragreichen Zukunft als Swingtrader nichts mehr im Wege. Vor den im Artikel angebrachten Worten ist allerdings eine gewisse Vorarbeit in Eigenleistung nötig, wie z.B. Aneignung von Basiswissen über die Börse, die Entwicklung von Tradingstrategien, Money- und Risikomanagement und die Kenntnis über die eigene psychische Leistungsfähigkeit.

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