Erste Schritte beim Traden Erste Schritte beim Traden
Geschrieben von Chris Zerrahn am 15. August 2013

Trading-Psychologie: Einführung und Grundlagen

Trading-PsychologieVielen erfahrenen Händlern ist bekannt, dass etwa 90 Prozent aller Marktteilnehmer an der Börse langfristig das eingesetzte Kapital vernichten. Einen großen Teil dieser Verlierer stellen nicht etwa unwissende oder unvorbereitete Händler dar, sondern meist Menschen, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle haben. Jene konzentrieren sich am Beginn und während der gesamten Trader-Laufbahn auf in Wirklichkeit nebensächliche Dinge, wie z. B. Charttechnik und Strategien. Während Sie ewig und immer wieder auf der Suche nach der „Super-Strategie“ sind, vernachlässigen jene das wichtigste Thema, nämlich das der Trading-Psychologie. Erst ein breites Wissen über den eigenen Charakter und die im Eigenhandel hervortretenden Reaktionen, kann den Weg zum erfolgreichen Trader ebnen.

Der Einfluss der Psychologie auf Trading-Entscheidungen

Psychologie beschreibt per Definition das Erleben und Verhalten von Menschen. Egal welche Tätigkeiten wir ausführen, sie sind immer mit dem eigentlichen Erleben und den daraus resultierenden Reaktionen verbunden. Diese Abhängigkeit setzt sich auch beim Handel an der Börse fort und verstärkt sich exponential, da meist das eigene Geld verwendet wird. Dies weckt gerade bei Verlusten unschöne Emotionen, die aber für eine erfolgreiche Tradingkariere unterbunden werden sollten. Kann ein Trader seine Gefühle nicht beherrschen, ist ein Kontrollverlust unvermeidlich und der Weg in den Margin-Call (Verlust des Einsatzes) ist unumgänglich.

Erfolg an der Börse hängt weder von der richtigen Strategie noch von einem breiten Spektrum an angelesenem Wissen oder vom letzten eventuell verlorenen Trade ab. Das heißt nicht, dass ein Trader kein System benutzen soll oder sich nicht mit Grundlagen der Charttechnik befassen soll. Dies bedeutet nur, dass ein langfristiges Überleben an der Börse von der eigenen Disziplin und Selbstkontrolle abhängig ist. Kein System der Welt kann immer funktionieren und irgendwann kommt auch nach der größten Glückssträhne der Draw-Down. Genau an diesem Punkt verlieren die meisten Trader die Kontrolle über sich selbst, verdammen das eingesetzte System und begeben sich wieder auf die Suche nach dem „Super-System“. Damit verlieren sie sich in einem Teufelskreis, der in Kennerkreisen als „Switching“ bekannt ist, bis die finanziellen Kräfte erschöpft sind.

Die Furcht vor Verlusten

Die Angst vor Verlusten hat sicherlich auch jeder erfolgreiche Trader, allerdings ist jene bei Anfängern deutlicher ausgeprägt. Dies führt in aller Regel zu affektiven Verhaltensweisen, die zu Revenge-Trading (Rache-Handel), Stop-Loss-Riding (ständiges Verschieben der Verlustbegrenzung) oder zum oben genannten Switching führen. Jene führen ihrerseits wieder zu weiteren Verlusten oder im besten Fall zu einem kompletten Aussetzen des Handels. Diese Furcht ist bedingt durch rudimentäre Verhaltensweisen, denn jeder will am Ende des Tages die größte Keule ans Lagerfeuer bringen und nicht mit weniger kommen, als er gegangen ist. Somit steht die nackte Angst immer neben dem Ego: Wer will schon zugeben, dass er verloren hat?

Der erste Schritt in eine erfolgreiche Händler-Karriere ist also die Überwindung der Angst und des Egos. Jeder kann mit einfachen Mitteln diese zwei Faktoren bekämpfen. Die einfachste Möglichkeit ist, die Verluste zu akzeptieren und einen einzelnen Trade oder eine Negativ-Phase einfach wegzustecken. Verluste sind die Bezahlung für anstehende Gewinne. Es gibt nichts auf der Welt, das umsonst ist und für alles muss eine gleichwertige Gegenleistung erbracht werden. Bei Tradern bedeutet dies, dass für regelmäßige Gewinne die Disziplin aufgebracht werden muss, Verlustphasen auszustehen.

Die Gier nach Mehr

Neben der Angst, ist die Gier der größte Feind des Traders. Sie führt zu unrealistischen Vorstellungen von Gewinn und Verlust. Im täglichen Leben sichert die Gier, die nichts anderes als die bestmögliche Erfüllung von Bedürfnissen darstellt, unser Überleben. An der Börse führt sie allerdings nur allzu oft in den Ruin, da sie den Händler förmlich zwingt, von seinen Regeln und festgelegten Systemen abzuweichen. Als Beispiel kann ein Händler dienen, der nach festen Regeln einen Trade eingegangen ist. In der ersten Phase läuft der gekaufte Wert in die richtige Richtung und ein Profit wäre so gut wie sicher. Ein guter Trader würde wahrscheinlich seine Gewinne zumindest mit einem Break-Even-Stop absichern. Der gierige Trader allerdings erwartet sich deutlich mehr und misst auch eindeutigen Umkehrsignalen keine Bedeutung zu. Letztendlich verwandelt sich ein profitabler Trade in einen Verlust. Somit hat der Händler sein eigentlich zugrunde liegendes System behindert und die Strategie ist wertlos.

Die Hoffnung

Jeder Trader kennt die Phase eines völlig vermasselten und damit negativen Trades, bei dem gebetet und gehofft wird. Innerlich wird meist noch der Schwur „Nach diesem Trade werde ich nie wieder so eine Dummheit begehen“ geleistet. Problematisch an Hoffnung ist, dass sie oft erfüllt wird. An der Börse können Händler recht lange mit bloßer Hoffnung (oder auch oft als aussitzen bezeichnet) überleben. Dabei spielt es bei diesen Hoffnungs-Süchtigen oft keine Rolle, das ein einziger Trade zeitweise das Konto auf 50 Prozent oder mehr des Ursprungswertes belastet. Der Trader will recht behalten und ist unbegründet optimistisch. Doch irgendwann wird es einen Trade geben, der alle vorherigen Gewinne vernichtet und auch die größte Hoffnung enttäuscht. Ein Nachweis dieser Hoffnungs-Trader konnte während des Flash-Crashs am 6. Mai 2010 erbracht werden. An diesem einen Tag wurden nach Insider-Informationen weltweit etwa 10 Millionen Handelskonten (inklusive Forex- und CFD-Konten) vernichtet. Die Händler hatten wahrscheinlich keine Verlustbegrenzungen oder sonstige Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und hofften, auch diesen Crash zu überstehen. Daher sollte niemals Hoffnung auf den Thron der Intelligenz und Disziplin gesetzt werden.

Fazit

Da Menschen keine Maschinen sind und die Psychologie das Überleben als Einzelperson und in der Gesellschaft sichert, muss jeder Trader Möglichkeiten finden, eben jene angesprochenen Emotionen zu unterbinden. Dies stellt den einzigen Weg dar, Handelsentscheidungen mit dem Kopf und nicht mit rudimentären Gefühlen zu steuern. Wie jeder Anfänger oder fortgeschrittene Händler dies erlernen kann, können Sie im bald erscheinenden zweiten Teil der Pschologie-Artikel-Serie erfahren.

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