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Interbankenhandel

Per Definition wird unter dem Begriff "Interbankenhandel" der globale Handel mit Vehikeln aus dem Finanzbereich zwischen Geldhäusern zusammengefasst. Die Zentralbanken werden in diesem Kontext explizit nicht zur Kategorie der Geldhäuser gezählt, so dass die Handelsgeschäfte zwischen den Banken und ihrer Zentralbank nicht als Interbankenhandel angesehen werden. Zu den wichtigsten Finanzinstrumenten zählen hierbei vor allem Devisen, Geld, Edelmetalle, Wertpapiere, Sorten sowie Derivate.

Beispiel Devisenmarkt: Der Devisenmarkt zählt mit einem börsentäglichen Umsatz von mehr als 4 Billionen US-Dollar zu den Märkten mit der höchsten Liquidität überhaupt. Der Großteil dieser enormen Summe wird außerbörslich auf elektronischem Wege über den Interbankenhandel abgewickelt. Dieser Umstand hat die Entwicklung zum professionellen Devisenhandel für Privatpersonen etwa über Forex-Broker begünstigt, da diese als Market-Maker auftreten können. Das bedeutet, dass Forex-Broker im Grunde genommen im Sekundentakt Kauf- und Verkaufskurse ermittelt, auf deren Grundlage die Trader dann Transaktionen tätigen können.

Die Motivation der Geldhäuser am Interbankenhandel teilzunehmen, liegt vor allem an der Möglichkeit, durch die Glattstellung von offenen Positionen oder durch Eigenhandel Bankrisiken deutlich effizienter zu verteilen. Unter dem Begriff der Glattstellung wird dabei eine Aktion bei Geldhäusern verstanden, bei der eine offene Position im Anlage- oder Handelsbuch neutralisiert wird, indem eine hierzu kongruente Transaktion - Closing Transaction - getätigt wird. Eine Glattstellung kann zum Beispiel im Interbankenhandel durchgeführt werden, wodurch die Hinterlegung mit Eigenkapital - gemäß der gesetzlichen Bestimmungen müssen offene Positionen mit Eigenkapital hinterlegt werden - wegfällt.

Unter dem Begriff Eigenhandel wird der Handel mit Finanzinstrumenten auf eigene Rechnung und im eigenen Namen verstanden. Hierbei werden Transaktionen nicht auf Grundlage eines Kundengeschäfts getätigt, sondern allein zur Erzielung von Gewinnen. Auch hier können offene Positionen durch den Interbankenhandel glattgestellt werden, um die Risiken zu reduzieren oder gar vollständig zu eliminieren. In der Regel trägt der Eigenhandel bis zu 50% zum Jahresgewinn einer Bank bei.

Die aufgeführten Motive der Geldhäuser zur Teilnahme am Interbankenhandel zeigen implizit, dass der Interbankenhandel für die Finanzwirtschaft eine sehr wichtige Möglichkeit zur Refinanzierung von Krediten an Nichtbanken darstellt. Die während der letzten Wirtschafts- und Finanzkrise aufgetretene Kreditklemme basierte unter anderem auf dem völligen Zusammenbruch des Interbankenhandels im Jahr 2008 als die damals viertgrößte Investmentbank der USA, Lehmann Brothers, Insolvenz anmelden musste. Die Insolvenz hat zudem gezeigt, dass der Interbankenhandel keineswegs risikolos ist, sondern vielmehr durch ein Adressenausfallrisiko gekennzeichnet ist. Trotz dieses allzeit präsenten Risikos ist der Interbankenhandel eine der wichtigsten Quellen zur Refinanzierung. So macht der Interbankenmarkt für gewöhnlich in etwa 30% der Bilanzsumme bei Universalbanken aus.

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