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Geschrieben von forextotal am 13. Juni 2017

Bitcoin: Spekulieren bis die Blase platzt

In der letzten Zeit liest man wieder an allen Ecken von Bitcoin (BTC) und der "Jahrhundertchance" der digitalen Währung. Der BTC-Kurs ist massiv in die Höhe geschnellt und notierte zuletzt über dem Goldpreis. 1 Bitcoin war bislang zeitweise über 3.000 US-Dollar wert. Die Zeit ist nun gekommen, in der auch die Massenmedien auf den Zug aufspringen und über Bitcoin berichten. Und langsam wird es durchaus gefährlich. Denn spätestens wenn die Bild-Zeitung über Anlagechancen berichtet und die eigene Oma etwas von Bitcoins erzählt, sollten alle Alarmglocken klingeln. Droht die Bitcoin-Blase zu platzen?

Chancen und Gefahren

Bereits vor 4 Jahren hatte Forextotal auf die Gefahren der virtuellen Währung hingewiesen. Der damals größte Handelsplatz für Bitcoins war Mt.Gox und dieser hatte sich dann wenig später mit den dort gehandelten Bitcoins verabschiedet. Am Ende sollen es 650.000 Bitcoins gewesen sein, die unterschlagen wurden. Zum aktuellen Preis von ca. 2.500 Euro wären das 1,6 Milliarden Euro gewesen!

Nach der Einführung des Bitcoin-Protokolls lag der Kurs lange Zeit im einstelligen Bereich, nach zahlreichen Hype-Phasen hat sich der Kurs nun vertausendfacht. Womit nun natürlich etliche Anleger eine neuerliche Goldgräberstimmung wittern. Zugegeben, wenn man solche Wachstumswerte sieht und auf dem Sparbuch mittlerweile sogar Negativzinsen anfallen, könnte man schwach werden. Aber wie so oft im Leben: Alles hat seinen Preis und nirgends gibt es etwas geschenkt.

Kursentwicklung getrieben durch Spekulationsinteressen

Warum ist nun der Bitcoin-Kurs so enorm in die Höhe geschnellt? Steht dahinter ein tatsächlicher Wert oder droht gar unser normales Geldsystem zusammenzubrechen? Beides wären Gründe, warum man alternative, unabhängige Währungen kaufen würde, die zudem inflationsgeschützt scheinen. Früher wäre das ein klassischer Fall für Gold gewesen, der ja seit Jahrzehnten als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt.

Bei Bitcoin sieht es etwas anders aus. Die Menge an Bitcoins ist zwar ähnlich wie bei Gold endlich und in diesem Fall technisch auf 21 Millionen begrenzt, allerdings haben Bitcoins zunächst mal keinen weiteren Nutzen. Der Goldpreis hat zwar auch viel mit Vertrauen zu tun, der Rohstoff wird aber auch in der Industrie benötigt. So gesehen, ist der Bitcoin-Wert rein dem aktuellen "Vertrauen" geschuldet.

Dieses Vertrauen kommt zu einem Teil daher, dass die Leute das Vertrauen in unser klassisches Geldsystem (zu Unrecht) verloren haben. Aber noch viel mehr kommt es aus der Gier nach Gewinn. Eine wirklich interessante Betrachtung ist in diesem Zusammenhang das Suchinteresse bei Google zum Keyword "bitcoin":

Vergleicht man diese "Nachfrage" mit der Kursentwicklung von BTC/EUR wird schnell deutlich, dass der Verlauf korrespondiert:

Die Punkte A (Anfang 2013), B (Ende 2013, Anfang 2014) und C (Anfang 2017) zeigen sehr deutlich, wie beeinflussbar der Wechselkurs von der weitläufigen Massenmeinung ist. Entsprechende Nachrichten mit einer ausreichenden Reichweite können so schon kursentscheidend sein. Bei klassischen Währungen ist der Wechselkurs nur zu einem sehr geringen teil von der Massenmeinung abhängig. Hier spielen viel mehr globale Zusammenhänge, Wirtschaftsleistungen einzelner Länder und auch die Interventionen von Notenbanken eine große Rolle.

Klassische Währungen vs. Bitcoin

Etliche Bitcoin-Jünger führen gerne die These an, dass Bitcoins die Finanzwelt revolutionieren werden. Das System ist schnell, dezentral, anonym und inflationsgeschützt. Was zunächst nach guten Vorteilen klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Problem:

  1. Schnelligkeit: Sind alle 21 Millionen Bitcoins berechnet, gibt es für die Miner keine großen Anreize mehr, d.h. die Transaktionsgebühren werden unweigerlich steigen. Wer wenig zahlt, bekommt seine Transaktionen nur schleppend abgewickelt.
  2. Dezentralität: Die Blockchain mit allen Transaktionen ist jetzt schon extrem groß und wächst täglich weiter. Somit wird es für Endanwender immer unpraktischer einen vollständigen Bitcoin-Client zu nutzen, der zu 100% transparent ist. Die Folge ist eine Zentralisierung auf Dienste, die diese Datenmengen bewältigen.
  3. Anonymität: Der Tausch von Bitcoins in klassische Währungen ist der kritische Punkt. Wenn z.B. die großen Länder anfangen das System zu verbieten, sind Bitcoins wertlos. Zudem gelten inzwischen auch strengere Regularien einzelner Aufsichtsbehöreden wie der BaFin, die die Anonymität ist somit ebenso in Gefahr.
  4. Inflationsschutz: Das Tulpenzwiebelproblem holt auch Bitcoin ein. Denn diese sind durch die festgelegte Obergrenze früher oder später hyperdeflationär, was z.B. sämtliche Schuldner in den Ruin treibt. Im Prinzip das Gegenteil der Hyperinflation, wo die Gläubiger in die Röhre schauen.

Klassische Währungen haben zwar augenscheinlich den großen Nachteil der Inflation, diese hat aber einen klaren Vorteil im Wirtschaftskreislauf: Sie fördert den Konsum, dieser fördert die Produktion, es werden Arbeitsplätze benötigt und Löhne gezahlt. Damit "geparktes" Geld nicht einfach nur rumliegt und von der Inflation "gefressen" wird, muss es investiert werden!

Bei einer Deflation wäre es genau umgekehrt: Der Konsum würde zurückgehen, weil die Löhne aufgrund der gesunkenen Preise angepasst werden müssen. Die ausbleibende Nachfrage würde zu einer verminderten Produktion führen, die Folge wären Entlassungen und Arbeitslosigkeit.

Unsere Notenbanken haben daher eine wichtige Aufgabe: Sie müssen das System im Gleichgewicht halten. Zu viel Deflation ist genauso schlecht wie zu viel Inflation. Und was auch klar ist: Einer Seite schmecken die Maßnahmen der Notenbanken meist gar nicht. Aktuell sind es die Sparer, die mangels klassischer Zinsen ihr Vermögen in Gefahr sehen.

Aber so ist es nun mal in unserem Geldsystem: Es gibt unterschiedliche Phasen. Manche dauern länger, manche etwas kürzer. Und auch die aktuelle Niedrigzinsphase wird nicht endlos so weitergehen. In den USA gab es die erste Leitzinserhöhung bereits im März und der nächste Schritt soll nun folgen. Und auch die EZB hat schon erste Tendenzen zur langsamen Aufhebung der lockeren Geldpolitik erkennen lassen.

Massive Übertreibung

Jede kleinere oder größere Blase, die geplatzt ist, hatte im Vorfeld eine massive Übertreibung der Preise. Egal ob es die Tulpenmanie im Jahr 1637 war, das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 oder die Subprime-Krise 2007.

Bei allen Blasen wurde irrational gehandelt, es Stand nur der zu erwartende Wert im Vordergrund und die tatsächlichen inneren Werte der einzelnen Anlageobjekte wurden ausgeblendet. Hinzu kam immer noch das Gefühl, den Anschluss verpasst zu haben. Eine gefährliche Mischung, die gerade die späten Anleger meist mit einem Totalverlust bezahlen mussten.

Blockchain und die Banken

Die Blockchain-Technologie, die die Grundlage für die Bitcoin-Transaktionen bildet, hat gewiss ein großer Potenzial für die Zukunft. Gerade im vernetzten Zeitalter fehlt es noch einer schnellen und einfachen Technik, um Finanztransaktionen global und nahezu ohne Verzögerung auszuführen. Bedenkt man, dass SEPA-Überweisungen immer noch 1-2 Tage brauchen, sind natürlich Bitcoin-Zahlungen rasend schnell. Das haben auch die großen Banken erkannt und wollen künftig die Technik für sich nutzen. Sicher ist aber auch: Nicht auf Basis von Bitcoin!

Schaut man sich das neue Projekt Ripple an, wird schnell klar, wer hier die Entwicklung befeuert. Es sind einige Großbanken und große Tech-Unternehmen, die dafür sorgen, dass langfristig eine andere Blockchain-Technologie die Oberhand gewinnt. Wie schon bei Betamax und VHS: Nicht die besser Technik setzt sich durch, sondern die unterstützende Industrie dahinter.

Rückkehr zu klassischen Werten

Geht der Blick noch etwas weiter, ist aktuell auch eine erste Mini-Krise an der US-Techbörse NASDAQ zu erkennen. Zahlreiche große Unternehmen wie Apple bekamen einen herben Dämpfer. Das Problem ist auch an dieser Stelle eine massive Übertreibung der tatsächlichen Unternehmenswerte. Aktuell sind hier bereits viele Erwartungen in die Zukunft eingepreist, die sich sehr oft nicht erfüllen. Gerade Snapchat ist hier ein gutes Beispiel.

Hohe Nutzerzahlen lassen sich eben nicht immer direkt in monetäre Werte ummünzen. So ist auch WhatsApp eher eine Prestige-Übernahme eines potenziellen Konkurrenten gewesen, als ein sinnvolles Investment, das sich irgendwann wieder direkt amortisiert. Deswegen sind gerade klassische Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Industrie und Energie wieder stärker gefragt. Wenn man ein unterbewertetes Anlageschnäppchen machen will, sollte man sich in diesen Bereichen umsehen.

    1 Kommentar

  1. Bob sagt:

    Hi,

    Danke für diesen Beitrag.
    Ich hoffe nur das Deutschland da nicht wie bei den E-Autos als letztes mit aufsteigt, wenn man bedenkt, dass die meisten Deutschen Banken Chefs noch nie was von Blockchain gehört haben ...

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