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Geschrieben von Torsten Gellert am 25. Juli 2013

FXCM: Großbritannien schleicht sich aus der Krise – Stabiles Pfund erwartet

Britisches Pfund (GBP)Prinz George Alexander Louis von Cambridge - Nicht nur im Vereinten Königreich haben die Menschen erst auf die Geburt und dann auf den Namen des zukünftigen Thronfolgers hin gefiebert. Gemessen an den Wettquoten war der Name George auch einer der beiden Favoriten, keine ganz so große Überraschung also bei der Bekanntgabe. Ähnlich gespannt dürften die Investoren rund um den Globus auf die Veröffentlichung der Zahlen zum Wachstum des britischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) gewesen sein. Als diese heute Morgen veröffentlicht wurden, verhielt es sich allerdings genauso wie bei der Namenswahl für den kleinen Prinzen, Überraschungen Fehlanzeige. Die Erwartungen einer um 0,6 Prozent gestiegenen Wirtschaftsleistung auf der Insel zwischen April und Juni wurden auf den Punkt genau getroffen.

Generell muss ich aber konstatieren, dass mich die Stärke, in der sich die Wirtschaft Großbritanniens in diesen Tagen präsentiert, schon ein wenig überrascht. Stehen die Briten tatsächlich vor einem Turnarround und kämpfen sich auch in den kommenden Monaten kontinuierlich aus der Finanzkrise, die das Land im Vergleich zu vielen anderen auf Grund seiner innigen Beziehung zum gleichnamigen Sektor am mit am stärksten getroffen hat? Viele in den vergangenen Tagen und Wochen veröffentlichte Indikatoren sprechen dafür, dennoch bleibt meine Skepsis über die Nachhaltigkeit dessen, was wir in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gesehen haben. Ein Satz zum kleinen Neuankömmling auf der Insel sei mir an dieser Stelle noch gestattet. George’s Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt der kommenden Wochen dürfte eher marginal ausfallen, auch wenn sich einige Ökonomen seit seiner Geburt am Montag mit ihren Schätzungen über ein Mehr an Konsumausgaben reihenweise überbieten. Selbst wenn die optimistischsten Schätzungen wahr werden, der Beitrag zum BIP-Wachstum sollte wohl eher in der zweiten Nachkommastelle liegen.

Stimmung bei Verbrauchern und in der Industrie auf Mehrjahreshoch

Allerdings sind die Briten in Sachen Stimmung nicht zu unterschätzen, können sie in diesen Tagen neben ihrem neuen Prinzen auch noch einen frischgebackenen Tour-de-France-Sieger und Wimbledon-Gewinner feiern. Führt dies zu einem weiteren Anstieg der Kauflaune auf dem schon jetzt sehr hohen Niveau, könnte das der Stützpfeiler sein, an dem sich die britische Wirtschaft weiter aus der Krise schleicht. Die Einzelhandelsumsätze sind in den vergangenen Monaten kontinuierlich angestiegen und haben damit einen Großteil zum Anstieg der Wirtschaftsleistung beigetragen. Aber neben dem Service-Sektor sind auch alle anderen Bereiche wie Bau, Industrie und Landwirtschaft im abgelaufenen Quartal gewachsen. Das letzte Mal war dies im dritten Quartal 2010 der Fall.

Gestern wurden zudem die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov und des Research-Instituts CEBR veröffentlicht, wonach das Verbraucher-vertrauen der Briten mit einem Wert von 104,6 so gut ist wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Steigende Immobilienpreise und zunehmendes Vertrauen in einen sicheren Arbeitsplatz seien die Triebkräfte dieser positiven Stimmung. Kein Wunder, denn auch bei den Auftragseingängen der britischen Industrie läuft es so gut wie seit April 2012 nicht mehr. Interessant hier der Blick auf die Orders aus dem Ausland, die mit der stärksten Rate seit mehr als zwei Jahren wachsen. Also auch der von der Eurokrise zusätzlich gebeutelte Exportsektor scheint auf dem Weg der Erholung. Selbst der besonders stark unter die Räder gekommene Bausektor auf der Insel blickt nach einer Umfrage eines anderen britischen Meinungsforschungsinstituts erstmals seit mehreren Jahren wieder optimistischer in die Zukunft.

Abwärtspotenzial des Britischen Pfunds vorerst ausgereizt

Nun wird alles davon abhängen, wie stark das Fundament dieses Stimmungsumschwungs auf der Insel tatsächlich ist. Noch zum Jahreswechsel, als das Königreich knapp an der Rezession vorbeischrammte, versuchten die Experten, darunter die Ratingagenturen, der Internationale Währungsfonds, aber auch ausnahmslos fast alle Ökonomen den Briten Ratschläge mit auf den Weg zu geben, wie sie schneller wieder zu stärkerem Wachstum zurückkehren können. Schatzkanzler Osborne solle seinen Sparzwang aufgeben, die Notenbank solle die Geldschleusen noch weiter öffnen, hieß es unisono. Nichts von dem ist passiert. Gespart wird weiter, weder Zinsen noch das Anleihekaufprogramm der Bank of England wurden in den vergangenen Monaten angefasst.

GBP/USD Chart

Das sind auch die Gründe, weshalb das Britische Pfund sich immer wieder schnell von seinen Tiefständen unter 1,50 GBP/USD erholen konnte. Zwar liegt es damit weit entfernt von den 1,63 GBP/USD zum Jahreswechsel, als meine Einschätzung auf eine fallende britische Währung lautete. Zum jetzigen Zeitpunkt und vor dem Hintergrund der sich stark verbesserten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf der Insel gilt es aber, die laufenden Short-Engagements im Pfund zu überdenken und angefallene Gewinne auf diesem Niveau erst einmal mitzunehmen.

Notenbankpolitik bleibt weiter Taktgeber für GBP/USD-Kurs

Entscheidend für die weitere Entwicklung der britischen Währung ist und bleibt die Geldpolitik sowohl der britischen als auch der amerikanischen Notenbank. Hier gilt es, zwei Termine auf der Agenda besonders im Auge zu haben. Am 01. August kommt das Gremium der Bank of England (BoE) das zweite Mal unter ihrem neuen Präsidenten Mark Carney zusammen. In Kenntnis der aktuellen Zahlen glaube ich nicht an eine geldpolitische Lockerungsmaßnahme seitens der BoE, zumal auch die von Carney nach dem letzten Treffen genauer beleuchteten Anleihezinsen nicht weiter gestiegen sind. Viel spannender dagegen wird der 07. August. An diesem Tag will Carney seine langfristige Kommunikationspolitik („Forward Guidance“) starten. Ich gehe davon aus, dass auch er wie schon sein Frankfurter Kollege Draghi den Märkten noch auf lange Zeit niedrige Zinsen versprechen wird. Zudem wird es interessant, ob und an welche wirtschaftlichen Daten er die Geldpolitik verlässlich für die Finanzmärkte koppeln will. Den Spielraum für ein weiter fallendes Britisches Pfund gegenüber dem US-Dollar halte ich aber auch unter diesen Annahmen für begrenzt. Hier ist es eher entscheidend, wann und wie schnell die US-Notenbank die Zügel ihrer ultralockeren Geldpolitik etwas anzieht. Hier gehe ich von ersten konkreten Schritten frühestens zum Jahreswechsel aus. Bis dahin werden wir dann auch konkretere Hinweise darauf haben, ob es sich in Großbritannien nur um ein Strohfeuer oder tatsächlich eine längerfristige stabile Erholung handelt.

Ein Finanzmarkt-Kommentar von Torsten Gellert, Managing Director von FXCM Deutschland. Mehr Informationen und ein Zugang zum Devisenhandel sind im Profil von FXCM zu finden.

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